Abschied


Die Mehrzahl von Ich ist Wir.
Nur uns selbst dürfen wir nicht verlieren.
Das ist uns mal passiert im jugendlichen Leichtsinn
Doch wir haben kapiert: Das Wichtige am Wir
Sind Du und Ich auch einzeln.

Die Einzahl von Wir ist Ich und Du.
Es braucht ein bisschen Mut zu sagen:
Komm, wir bleiben gemeinsam wir selbst.
Und auch -und vielleicht auch vor allem- zu zweit
Sind wir, also Du und ich, richtig cool.

So „Pärchen“-Pärchen find‘ ich leichtsinnig
Weil man einen Teil von sich doch aufgibt
Wenn Eins plus Eins Eins ergibt.
Und dass ich Dich so heftig sexy find‘
Wär doch krass selbstverliebt
Wärst Du meine bessere Hälfte.

Du bist nicht die Hälfte von mir.
Du bist eine Hälfte vom Wir.
Und das steht Dir
Und das steht mir
Und das steht uns gut.

Max Zimt

„Alleine? Ohne Jörn?“

Als ich angefangen habe, den Menschen in meinem Umfeld von meinen Reiseplänen zu erzählen, war die erste Reaktion selten „Ach was! Wo geht’s hin?“ oder „Für wie lange?“ oder „Hast Du dafür Deinen Job gekündigt?“. Stattdessen kam fast immer zuerst die verblüffte Nachfrage „Und Dein Mann?“.

Was soll ich darauf erwidern? „Der bleibt hier.“ Nicht, dass es dabei geblieben wäre. Es folgten Äußerungen wie „Ganz schön großzügig, dass der sowas mitmacht!“ oder „Das lässt Dein Mann Dich machen?“ oder „Da kannst du ja ganz schön dankbar sein, dass Jörn Dich gehen lässt“ bis hin zu „Hast Du ein Glück, dass Jörn Dir sowas erlaubt.“ Und ich bin immer wieder aufs Neue irritiert darüber, dass die Idee davon, sich gegenseitig Dinge erlauben zu müssen, eine so gängige und verbreitete Idee von Beziehung zu sein scheint. Dass Jörn und ich verheiratet sind, scheint der ganzen Sache sogar noch mehr Gewichtung zu geben. Dabei habe ich Beziehung noch nie als etwas verstanden, das mir die Macht über die Entscheidungen der anderen Person zuspricht – ob direkt oder indirekt. Jörn und mir war immer wichtig, dass jeder auch sein Ding macht, seine eigenen Ziele und Träume verfolgt. Wichtig ist doch, dass Wünsche und Bedürfnisse geäußert werden dürfen und man dann gemeinsam schaut, wie (und nicht ob) und in welchem Maße diese erfüllt werden können, ohne dass der Andere sich unwohl damit fühlt oder in einem nicht erträglichen Maße seine Komfortzone verlassen muss. Aber das doch bitte in einem Gespräch auf Augenhöhe und nicht in einer unterwürfigen Bittstellerposition mit einem Gegenüber, dem alle Entscheidungsgewalt obliegt.

„Da kannst du ja ganz schön dankbar sein.“

Eigentlich bin ich eher traurig darüber, dass Jörn diesen Wunsch eines Sabbaticals nicht mit mir teilt. Wie gerne ich all das mit ihm gemeinsam erleben würde! Aber genauso wie er akzeptiert, dass ich das machen möchte, akzeptiere ich, dass er das nicht will. Manchmal wurde ich gefragt, ob ich mich von Jörn getrennt hätte, wenn er mit dieser langen Reise nicht einverstanden gewesen wäre. Aber dass Jörn nicht einverstanden sein könnte, war gar keine Option, die ich abgewogen habe. Weil wir uns schon immer das ermöglichen, was uns wichtig ist. Wenn dem nicht so wäre, wären wir vermutlich gar nicht zusammen.

„Da kannst du ja ganz schön dankbar sein.“

Ich bin dankbar.
Ich bin dankbar dafür, dass unser Verständnis von Beziehung das gleiche ist.
Ich bin dankbar dafür, dass unser beider Lebensvorstellungen, die manchmal ähnlich und manchmal so ganz unterschiedlich sind, in unserer Beziehung Platz finden.
Ich bin dankbar, dass wir gemeinsam auf das wie und nicht auf das ob schauen.
Ich bin dankbar, dass Ich Ich bin und Du Du bist und wir zusammen ein so herrliches Wir ergeben.
Ich bin dankbar für Dich.
Komm gut nach Hause!

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