Ozeanblau


„Und dann muss man ja auch noch Zeit haben einfach da zu sitzen und vor sich hinzuschauen.“

Astrid Lindgren


Wir sind an die Südküste gefahren. Obwohl wir so viele Reisende getroffen haben, die von dort kamen und von Starkregen berichteten, war da dieses Bauchgefühl. Diese Dringlichkeit am Meer zu sein. Und dem sind wir gefolgt. Und hatten nun vier Tage Sonnenschein, waren an vier Tagen am Strand, ich auch an allen vier Tagen im Wasser. Endlich. Am. Meer. Dieses ständige, satte Grün war plötzlich angereichert durch ockerfarbene Strände und das tiefe Blau des Ozeans. Stundenlang könnte ich da sitzen und diese endlose Weite betrachten, kaum etwas finde ich so meditativ wie auf’s Meer zu schauen. Aber von vorne.

Wir brechen morgens direkt nach dem Frühstück in unserem Hotel in Tissimaharama auf und fahren nach Mirissa. Dort wohnen wir in einem kleinen Homestay bei Saku und ihrer Familie (Eltern, Ehemann, einjährige Tochter Vihani). Saku ist unfassbar herzlich, etwa 1,50m groß, gibt aber eindeutig den Ton an und scheucht sowohl ihren Mann als auch ihren Vater energisch herum, wenn es etwas zu erledigen gibt. Eine Rollenverteilung, die wir so in Sri Lanka bislang selten gesehen haben.

Wir verbringen den Tag am Strand. Abends regnet es, als wir etwas essen gehen wollen. Saku, die gerade mit ihrem Tuktuk los möchte, um neue Windeln zu kaufen, nimmt uns kurzerhand mit und lässt uns bei einem von ihr empfohlenen Lokal raus. Uns wird der Tagesfang an Fisch vorgestellt. Während Jörn sich bemüht das Gesicht nicht zu verziehen und einen Burger bestellt, probiere ich etwas von der Platte aus – frischen Fisch kann ich mir schließlich nicht entgehen lassen.

Bereits am nächsten Tag geht es weiter. Wir wollen nämlich nach Galle. Wieder einmal macht sich bezahlt, dass Jörn und ich auf Reisen so gerne neue Kontakte knüpfen. Gee, den wir letztes Jahr in Malaysia kennengelernt haben, kommt ursprünglich aus Sri Lanka, lebt mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern aber in Australien. Wir sind seit letztem Sommer sporadisch in Kontakt und als er erfahren hat, dass wir nach Sri Lanka reisen, hat er kurzerhand Familie und Freunde in Galle akquiriert und besteht darauf, dass wir diese besuchen.

Nach Galle nehmen wir den öffentlichen Linienbus – ein Erlebnis für sich! Es gibt zwar Haltestellen, aber überall an der Straße kann man den Bus heran winken oder sich absetzen lassen. Die Busse haben es alle unfassbar eilig. Sie bleiben kaum richtig stehen, sondern der Ein- und Ausstieg erfolgt, während der Bus maximal langsam ausrollt und dann ruckartig wieder anfährt. Er pest dann in etwa so durch die Gegend wie der Fahrende Ritter aus Harry Potter, jedoch ohne über dessen magische Fähigkeiten bezüglich des Ausweichens zu verfügen. Irgendwie funktioniert es trotzdem. Aus den überall im Bus angebrachten Musikboxen schallt lautstark Bollywoodmusik und ein Schaffner läuft herum und sammelt von allen Fahrgästen das Geld ein. Unsere Backpacks liegen irgendwo vorne beim Busfahrer, während wir noch eine Minisitzbank ergattern konnten. Ein Mann, der nur noch einen Stehplatz erwischt hat, stellt seinen Rucksack kurzerhand auf Jörns Schoß und bittet ihn diesen festzuhalten. Na klar.

In Galle kommen wir im Guesthouse von Gees bestem Freund Ravi unter, gehen abends im Fischlokas eines anderen Freundes essen und verbringen die kommenden Tage mit seinem Cousin Binethra (beide bezeichnen sich als Brüder, da sie gemeinsam in einem Haus aufgewachsen sind), der uns die Umgebung und besten Bars zeigt. Besonders schön ist der Strand von Unawatuna, zu dem wir auch ohne Binethra nochmal zurückkehren. Dabei machen wir unsere erste und einzige unschöne Begegnung mit Einheimischen. Auf Binethras Empfehlung hin nutzen wir die App „Pick me“ (ähnlich wie Uber), um ein Tuktuk zu bestellen, weil es viel günstiger ist als eines am Straßenrand anzuhalten. Nachdem das entsprechende Fahrzeug zwei Mal an uns vorbeigefahren ist ohne anzuhalten, bekommen wir eine Nachricht doch bitte ein Stück die Straße hochzukommen. Auf dem Weg dahin sprechen uns – wie so oft – zahlreiche Tuktuk Fahrer an und frage, ob wir ein Tuktuk brauchen. „Nein, danke, wir haben schon eins“ führt sichtlich zu Unmut bei der Gruppe von Fahrern. „Pick me?“, fragt einer nach. Wir kriegen ein ungutes Gefühl, nicken nur diffus und laufen zügig weiter. Unter den Fahrern bricht ein kleiner Tumult los, sie folgen uns noch ein kleines Stück, rufen uns wüste Beschimpfungen hinterher, bezeichnen und als Al-Qaida Terroristen. Als wir das von uns bestellte Fahrzeug schließlich erreichen, entschuldigt der Fahrer sich dafür, nicht am vereinbarten Treffpunkt gehalten zu haben, aber aufgrund der anderen Tuktuk Fahrer habe er Angst gehabt. Die würden durchaus gewalttätig werden und auf sein Fahrzeug einschlagen. Pick me verderbe ihnen das Geschäft…

Am letzten Abend werden wir von Gees Tante und Onkel zum Abendessen eingeladen. Beide sprechen kein Wort Englisch, aber Binethra ist mit dabei und übersetzt fleißig. Es gibt ein Buffet im Wohnzimmer, das wohl für zehn Leute reichen würde. Teller stehen auf dem Tisch aber nur zwei. „Essen wir alleine?“, raune ich Jörn irritiert zu. Tatsächlich. Jörn und ich werden gebeten am Esstisch Platz zu nehmen, die anderen drei setzen sich mit etwas Abstand auf Stühle am Rand des Raumes. Wenn sie nicht damit beschäftigt sind, uns zu bedienen, schauen sie uns beim Essen zu. Wir haben das in Kandy schon mal erlebt, als unser Gastgeber uns zum gemeinsamen Abendessen eingeladen hatte. Auch da haben Jörn und ich allein gegessen und die gesamte Familie hat uns zugeschaut. Damals dachten wir, wir hätten die Essenseinladung falsch verstanden und würden als Gäste der Unterkunft einfach ein Abendessen serviert bekommen. Aber wie sich herausstellt, ist es auf Sri Lanka absolut üblich, dass zum Essen geladene Gäste alleine unter Beobachtung der Gastgebenden essen. Eine… interessante Erfahrung.

Es folgt ein letzter Tag am Meer mit den höchsten Wellen, die wir bisher erlebt haben. Zwischenzeitlich reicht es knöcheltief im Wasser zu stehen und dennoch den Halt zu verlieren, weil der Sog so stark ist. Was wir von diesem Tag mitnehmen ist Sonnenbrand, Wasser in den Ohren und auch nach dem Duschen noch Sandkörner auf der Kopfhaut. So viel zum Wetter an der Südküste während der Regenzeit.

Und das war Sri Lanka. Wir sind inzwischen wieder in Negombo angekommen, wo Jörn und ich heute einen letzten gemeinsamen Tag verbracht haben. Ein Tag mit Pool, Fisch-Fußpeeling und selbst vom Baum gepflückten Kokosnüssen.

Vor ein paar Stunden mussten wir uns dann verabschieden. Jörn fliegt nun zurück nach Hause, während es für mich morgen weiter nach Nepal geht. Franzi ist schon auf dem Weg…

Ich melde mich dann wieder aus Kathmandu!

3 Kommentare

  • J-23 :)

    Guten Tag! Deine Blogposts sind oft mit Zitaten berühmter Persönlichkeiten angereichert. Wie wählst du die passenden Zitate aus, um deine Punkte zu unterstützen, und gibt es bestimmte Persönlichkeiten, die dich besonders inspirieren?

  • Wolfgang Berg

    Ich entschuldige mich aufrichtig für diesen Kommentar! Aber ich teste einige Software zum Ruhm unseres Landes und ihr positives Ergebnis wird dazu beitragen, die Beziehungen Deutschlands im globalen Internet zu stärken. Ich möchte mich noch einmal aufrichtig entschuldigen und liebe Grüße 🙂

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