Mutausbruch
Grüner wird’s nicht.
Julia Engelmann

Da ist sie.
Die Mail mit der Buchungsbestätigung für mein One-Way-Ticket nach Sri Lanka. ONE WAY. Ein kleines Schaudern durchläuft mich und obwohl ich weiß, dass es Quatsch ist, überkommt mich dieses undefinierbar kitzelig-panische Gefühl von: Jetzt gibt es kein Zurück mehr.
Sie war schon immer da – diese klitzekleine Idee irgendwo im Hinterkopf. Der Wunsch einfach mal loszuziehen und die Welt zu entdecken, ohne Plan, ohne konkretes Ziel, ohne Zeitdruck, sich einfach treiben zu lassen. So richtige Abenteuerlaune eben! Aber – wie das so ist – war der Zeitpunkt nie passend, immer etwas Anderes wichtiger. Jörn, den ich nie so richtig für die Idee einer Langzeitreise begeistern konnte. Der Gedanke, es allein zu machen, viel zu beängstigend und nie eine Option, die ich überhaupt ernsthaft in Erwägung gezogen hätte. Und dann so viel Zeit verstrichen. Sowas macht man jetzt nicht mehr, eine Weltreise macht man nach dem Abitur oder dem Studium, bevor man fest ins Berufsleben einsteigt. Also habe ich einen Haken an die ganze Sache gemacht.
Aber die Idee ließ sich nicht abschütteln.
Klopfte immer wieder – mal lauter, mal leiser, aber stets beharrlich – an die Tür, um zu fragen: Wie sieht’s denn nun aus? Und jetzt sitze ich hier. Nach endlos vielen Gesprächen mit meinem Chef, dem Team und der Geschäftsführung. Gesprächen mit Jörn, Freundinnen und Freunden, meinen Eltern. Viel Unterstützung. Viel Widerstand. Viele eigene Zweifel. Und auf der anderen Seite Gewissheiten wie „Ich kann das auch alleine“ und „Es ist nie zu spät“, die mich durch diese emotionale Achterbahnfahrt begleiteten. Und am Ende diese absolute Klarheit: Ich mach das jetzt einfach!
Und so sieht nun das Endergebnis aus: Vier Monate werde ich bei der Arbeit freigestellt. Vier Monate für meine eigene kleine Mini-Weltreise. Vier Monate raus aus dem Alltag. Mal den Fokus neu setzen. Mich den Dingen widmen, die ich so sehr liebe und die in meinem Alltag keinen Platz finden: Reisen. Fotografieren. Schreiben.
Keine Ahnung, was passieren wird. Keine Ahnung, was hier entstehen wird. Gerade ist mir einfach danach beide Arme so weit wie möglich auszubreiten und das Unbekannte zu umarmen.
Ende September geht es los Richtung Sri Lanka. Und dann mal schauen, wohin der Wind mich weht…


