Safarigefühle


„Mir fehlen die Worte ich
Hab die Worte nicht
Dir zu sagen was ich fühl‘
Ich bin ohne Worte ich
Finde die Worte nicht
Ich hab keine Worte für dich.“

Tim Bendzko

Dem schönen Wetter hinterher zu reisen ist uns wunderbar gelungen! Nachdem wir sowohl in Kandy als auch in Ella in einem kleinen Homestay bei einer Familie Zuhause gewohnt haben, nehmen wir uns in Tissimaharama ausnahmsweise für zwei bzw. drei Nächte ein Hotel, weil wir so Lust auf Schwimmen und einen Pool haben (wir haben am Morgen der Abreise spontan um eine Nacht verlängert, weil es an der Südküste immer noch regnet). Es ist ein kleines Familienhotel mit sieben Zimmern, die Familie (drei Generationen) lebt im Erdgeschoss. Für das Vier-Sternehotel mit großem, sehr sauberem Zimmer, eigenem Balkon und einem wunderschönen Außenbereich mit Pool zahlen wir pro Nacht 28€ inkl. Frühstück. In Deutschland können wir dafür zu zweit kaum frühstücken gehen.

Als wir ankommen, begrüßt uns schon draußen ein Berg von Schuhen. Obwohl wir das aus Kandy und Ella schon kennen, dass die Schuhe IMMER draußen ausgezogen werden und man nur auf Socken oder barfuß das Haus betritt, sieht es in dieser Menge doch lustig aus.

Umrahmt von zwei herrlich entspannten Tagen am Pool bei bestem Wetter, viel Zeit zum Lesen, Schwimmen, Abhängen und vor allem leckerem Essen und Trinken, verbringen wir einen Tag auf Safari im angrenzenden Yala Nationalpark. Sri Lanka soll aufgrund seiner Elefanten- und Leopardenpopulation eines der besten Länder für Safari außerhalb Afrikas sein und der Yala Nationalpark weist mit ca. 30 Leoparden eine der höchsten Leopardendichten der Welt auf.

Um 4.45 Uhr holt uns Dinuka mit seinem Jeep an unserer Unterkunft ab, um pünktlich um 6 Uhr zur Öffnung im Park zu sein. Da wir uns in der Nebensaison befinden, haben wir den kompletten Jeep (sechs Plätze) für uns alleine und können immer wieder den Platz wechseln, je nachdem wo die Sicht gerade am besten ist bzw. wo die Sonne nicht allzu sehr hinknallt. Dinuka ist 26 Jahre alt und erzählt, dass er schon seit zwölf Jahren Safaris mit Touristen unternimmt. Die ersten zwei Jahre ist er mitgefahren und seit er 16 ist, fährt er selbst. Er ist ein sehr erfahrener Guide, der zu jedem Vogel und jedem noch so kleinen Tier etwas zu erzählen weiß. Er arbeitet selbstständig, unternimmt täglich Safaris und das auch nur ganztägig (bis 17/18 Uhr), damit genug Zeit ist, den kompletten Park zu erkunden. Puh, ganz schöne krasse Arbeitszeiten. Aber es scheint ihm wahnsinnig viel Spaß zu machen. Wenn er sich mal einen Tag frei nimmt, besuchen ihn in der Regel Familie oder Freunde, mit denen er dann ebenfalls in den Park fährt.

Es fällt mir schwer, die Eindrücke dieses Tages in Worte zu fassen. Es war einfach der WAHNSINN. Wir haben zahlreiche Elefanten (meine Lieblingstiere!) zu Gesicht bekommen: Rechts und links des Weges im Dickicht oder auf der Wiese. Am Wasserloch. Vor uns auf der Straße. Ich könnte diese majestätischen Tiere einfach stundenlang beobachten, ohne dass mir langweilig werden würde.

Und wir haben unfassbares Glück: Auf einem weit entfernten Baum entdecken wir tatsächlich einen Leoparden!

Als Dinuka übers Handy die Info erhält, dass in einem bestimmten Gebiet gerade ebenfalls ein Leopard gesichtet wurde, fahren wir auch dorthin – allerdings an dem dort wartenden Jeep vorbei und stellen uns an einer abgelegenen Stelle an den Wegrand. „Ich kenne das Tier„, erklärt Dinuka, „das ist eine Leopardin. Die überquert immer an genau dieser Stelle den Weg. Wartet ab.“ Und tatsächlich. Nach ein paar Minuten kommt die Leopardin nur ein paar Meter vor unserem Auto links aus dem Gebüsch. Einen kurzen Moment mustert sie uns wachsam, dann überquert sie leichtfüßig und erhaben die Straße und verschwindet auf der anderen Seite wieder zwischen den Sträuchern. Was für ein magischer Moment….

Von 12 – 14 Uhr herrscht im Park Ruhezeit und es dürfen keine Autos fahren. In dieser Zeit treffen wir uns mit den etwa vier bis fünf anderen Jeeps, die im Park unterwegs sind, an einer Sammelstelle und es gibt Mittagessen. Die Guides sind jedoch eher damit beschäftigt, die Affen daran zu hindern, etwas vom „Buffet“ zu stibitzen. Einem gelingt es tatsächlich eine verschlossene Dose und eine Wasserflasche zu schnappen und damit auf einen Baum zu verschwinden. Als er die Dose geöffnet hat, muss er enttäuscht feststellen, dass sie bereits leer ist, und lässt sie wieder fallen. Ebenso wie die Wasserflasche, die er nicht auf bekommt.

Ceylon-Hutaffe

Um 14 Uhr geht es weiter. Dinuka zeigt uns wahnsinnig viele bunte und verschiedenartige Vögel, wir sehen unzählige Büffel und Krokodile, nur einen Bären bekommen wir nicht zu Gesicht, aber das soll auch schwierig bis unmöglich sein.

Wasserbüffel

Auf dem Weg zurück sitze ich im Jeep und schaue völlig in die Landschaft versunken aus dem offenen Fenster. Die Sonne im Gesicht, der Wind in den Haaren und die Eindrücke des Tages im Kopf, erfüllt mich dieses Gefühl absoluter Zufriedenheit. Ein Moment und ein absolut positives Gefühlswirrwar, das ich so gerne teilen würde, aber es ist so schwer es zu beschreiben. Während ich dieses Panorama um mich herum betrachte, versuche ich ein Wort für meinen Zustand zu finden, indem ich gedanklich all diese Empfindungen benenne. Beeindruckt. Begeistert. Bewegt. Dankbar. Demütig. Ehrfürchtig. Fassungslos. Glücklich. Klein. Verzaubert.

Und dann ist da plötzlich doch ein Wort. Ich glaube das sind einfach Safarigefühle

Waran

Halsstreifenmanguste – soll sehr schwer zu finden sein!

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