Nahtoderfahrung
„To die will be an awfully big adventure!“
Peter Pan
Wir verlassen Agra per Nachtzug und fahren neun Stunden gen Osten nach Varanasi – die heiligste Stadt Indiens und Pilgerhauptstadt der Hindus. Auf diesen Ort habe ich mich ganz besonders gefreut. Varanasi, die Stadt Shivas (Gott der Zerstörung und des Neubeginns), gilt als Zentrum des hinduistischen Universums. Aus dem ganzen Land kommen Pilger nach Varanasi, – Sünder, Trauernde, Sterbende – , um sich im heiligen Fluss Ganges von ihren Sünden reinzuwaschen, ihre verstorbenen Angehörigen verbrennen zu lassen oder hier ihre letzte Ruhestätte zu finden. Denn wer Glück hat, stirbt in Varanasi! Die Hindus glauben, dass sie den ewigen Kreislauf aus Tod und Wiedergeburt durchbrechen können, wenn sie in Varanasi sterben und so die ewige Erlösung finden. Daher befinden sich unter den Pilgern zahlreiche Sterbende, die in Varanasi auf den Tod warten.
Aber ich nehme schon viel zu viel vorweg! Zurück zum Anfang: Die Zugfahrt.
Wir haben ein Schlafabteil in der ersten Klasse gebucht und teilen unseres mit einem indischen Ehepaar. Es gibt zwei Stockbetten, Franzi und ich schlafen oben. Der Mann zeigt uns ganz begeistert, dass schon frische Bettwäsche für jeden da ist und wir außerdem jeder ein eigenes Handtuch bekommen haben. Dann erklärt er uns noch, wo die Toilette ist. Er ist unheimlich freundlich. Ich habe zwei Mal nachgefragt, aber keine Chance, dass ich seinen Namen hier wiedergeben kann. Seine Frau Sualita spricht ebenfalls sehr gut Englisch und initiiert von sich aus eine Unterhaltung – das ist uns hier in Indien in Bezug auf Frauen bislang beides wenig begegnet. Sie möchte wissen, wo wir herkommen, und erzählt, dass sie und ihr Mann schon in Deutschland, der Schweiz und sogar in Paris waren! Auf Letzteres scheint sie besonders stolz zu sein. Was ich hier im Zug das erste Mal feststelle, mir in den kommenden Tagen, als ich darauf achte, aber immer wieder begegnet: Geräuschvoll zu rülpsen und zu furzen – auch mitten im Gespräch – scheint in Indien völlig legitim zu sein.


Nachdem alle nochmal zur Toilette waren, schließen wir die Tür zu unserem Abteil von innen ab und kriechen in unsere Kojen. Nach ein paar unruhigen Stunden Schlaf wache ich davon auf, dass die indische Familie Zuwachs aus dem Nachbarabteil bekommen hat und lauthals diskutiert. Auch die Verkäufer sind schon wieder auf den Beinen, laufen durch den Zug und verkaufen heißen, würzigen Chai.
Pünktlich um sechs Uhr morgens kommen wir in Varanasi an und fahren per Tuktuk-Taxi zu unserem Homestay. Wir haben Glück: Da ein Zimmer frei ist, können wir schon einchecken und müssen nicht bis 13 Uhr warten! Wir duschen schnell und fallen todmüde ins Bett.
Um elf Uhr wachen wir wieder auf und kriegen tatsächlich noch ein spätes Frühstück. Sona, unsere Gastgeberin, drückt uns eine Karte von Varanasi in die Hand und markiert ein paar größere Tempel sowie die wichtigsten sogenannten Ghats – die zahlreichen breiten Ufertreppen entlang des Ganges.
Wir schlendern gemütlich los. Laufen durch die verwinkelten Gassen, an einigen Tempeln vorbei, bis hinunter in die Altstadt; verschaffen uns einen Eindruck von der Atmosphäre der Stadt. Es ist deutlich entspannter als die bisherigen Orte, die wir in Indien besucht haben. Es herrscht ein buntes Treiben, alle sind sehr beschäftigt, wir werden kaum angesprochen oder angestarrt. Zumindest solange wir in Bewegung sind. Sobald wir länger irgendwo stehen bleiben oder uns sogar hinsetzen, kommen zahlreiche Leute zu uns und fragen nach einem gemeinsamen Selfie. Noch öfter werden wir „heimlich“ fotografiert. Das nimmt hier auf jeden Fall ein ganz neues Ausmaß an.
Außerdem überbietet Varanasi alles bisher Gesehene nochmal deutlich an Müll und Gestank. Die Stadt wirkt an vielen Ecken wahnsinnig herunter gekommen, Dreck und Abfall sind allgegenwärtig und wann immer wir einen kleinen Wasserlauf oder Bach überqueren, halte ich instinktiv die Luft an, so unerträglich ist der Gestank. Irgendwie ernüchternd dafür, dass das hier die heiligste Stadt einer der drei größten Weltreligionen ist.



In der Altstadt schieben wir uns mit Menschen, Kühen und Motorrädern durch die engen Gassen. Unzählige Kuhfladen verwandeln die schmalen Häuserschluchten in Slamlompfade. Wir schlemmen hier den besten Lassi, den wir bisher in Indien bekommen haben. Anschließend essen wir ein frühes Abendessen, da wir uns um 19 Uhr die allabendliche Ganga Aarti, ein rituelles Feueropfer am Ganges, anschauen wollen, man aber schon um 17 Uhr da sein soll, um noch einen Platz zu bekommen. Wieder einmal probieren wir ein neues Gericht (Wir waren viel zu hungrig, um uns die Zeit für ein Foto zu nehmen): Frittierte Käse- und Gemüsebällchen (Malay Kofta und Vegetable Kofta), mit Brot mit Kartoffel (Potato Paratha) und Käsefüllung (Cheese Paratha), irgendeine undefinierbare, köstliche Soße… wieder eine pure Geschmacksexplosion. Gegessen haben wir hier bisher einfach nur lecker!! Danach sind es nur noch wenige 100m durch die schmalen Gassen der Altstadt und plötzlich stehen wir am Ganges.


Es ist (wieder einmal) einer dieser völlig surrealen Momente. Ich stehe am Ganges.
Das ist der Fluss, den ich schon als Kind beim Stadt, Land, Fluss Spielen immer bei G hingeschrieben habe – ohne auch nur eine Idee davon zu haben, wo genau er liegt oder was für eine Bedeutung er hat.
Der Fluss, von dem man schon so viel gehört und gelesen hat, die vielen Bilder von den Menschen, die darin baden und sich in diesem heiligen Fluss ihre Sünden abwaschen. Und jetzt stehe ich hier. Sehe all das leibhaftig. Bin (wieder einmal) ergriffen von so viel Demut und Dankbarkeit für all diese Erfahrungen, die ich auf dieser unglaublichen Reise machen darf.
Es ist schon ziemlich voll. Wir suchen uns zwei Plätze auf einer der Treppenstufen neben zwei indischen Mädchen, die es wahnsinnig aufregend zu finden scheinen, dass wir uns neben sie gesetzt haben, ununterbrochen kichern und immer wieder zu uns rüber schielen. Es dauert ungefähr zehn Minuten, bis sie sich trauen uns zu fragen, ob wir zusammen ein Foto machen können. Na klar!





Links von uns sitzen zwei Pilger aus Goa (indische Westküste). Sie sind mit dem Zug nach Varanasi gekommen und schon zum zweiten Mal hier. Während der Zeremonie stelle ich immer wieder Fragen dazu, was gerade passiert und warum und wofür, die sie alle geduldig beantworten. Das ist ungemein praktisch. Im Prinzip stehen ganz vorne am Flussufer sieben Schreine. Vor jedem steht ein Pandit (Priester) in safranfarbener Robe mit einem Feuerbehälter in der Hand und als die Zeremonie beginnt, schwenken sie diese synchron zu rhythmischen Gesängen und dem Klang der Zimbeln, um die rituellen Reinigungen durchzuführen. Später ersetzen sie die Feuerschalen durch Räucherstäbchen. Immer wieder ruft die Menge etwas, klatscht oder hebt die Hände in die Höhe. Der Pilger neben mir erklärt, dass diese abendliche Zeremonie dem Ganges gewidmet ist und einen Lobgesang für den heiligen Fluss, aber auch die Natur und alles, was wir daraus empfangen, darstellt. Das finde ich von der Idee her sehr schön, in Anbetracht der hier herrschenden Luftverschmutzung und wie sehr alles zugemüllt wird aber auch eine seltsame Doppelmoral. Was so gar nicht ins Bild passt, sind die großen beleuchteten Werbetafeln, die im Hintergrund der Zeremonie auf kleinen Booten über den Ganges gefahren wären



Neben den zahlreichen Verkäufern laufen auch immer wieder sogenannte Saduhs, hinduistische Wandermönche, die allem weltlichen entsagen, in Armut leben und auf göttliche Erlösung (keine Wiedergeburt) hoffen, durch die Menge. Sie haben einen großen Teller mit zwei Schalen darauf bei sich – in der einen brennt eine große Flamme, in der anderen befindet sich ein weißes Pulver. Die Menschen um mich herum berühren die Flamme und danach ihren Kopf, auch die Köpfe ihre Angehörigen. Die Saduhs tauchen ihren Finger in das weiße Pulver, hinterlassen damit einen Abdruck auf der Stirn der Menschen und legen ihnen anschließend noch kurz die Hand auf den Kopf. „Es ist ein Segen und das Feuer steht für Schutz.“, erklären die Pilger. Als sie an der Reihe sind, beobachte ich das Ganze fasziniert aus nächster Nähe. Und ehe ich weiß, wie mir geschieht, drückt der Saduh mir auch einen weißen Punkt auf die Stirn. Okay. Ich dachte, das sei nur für Hindus. Franzi, die das Ganze nun hat kommen sehen, lehnt dankend ab. Etwas von dem Pulver rieselt auf meine Nase und meine Hose. Erst später erfahre ich, dass es sich dabei um die Asche von Verstorbenen handelt. Nun gut. Immerhin bin ich jetzt gesegnet und gegen Schutz habe ich nun wirklich nichts einzuwenden.





Die Ganga Aarti dauert etwa 45 Minuten. Inzwischen ist es dunkel geworden. Wir verabschieden uns von unseren Sitznachbarn. Und dann machen wir uns endlich auf den Weg zum eigentlichen Ziel unserer Reise hierher: dem Manikarnika Ghat – das ewig brennenden Ghat. An dieser heiligsten Stelle des Ganges soll Shiva einen Ohrring im Wasser verloren haben. Und hier verbrennen die Hindus ihre Toten. Wir stehen da und staunen. Es ist nichts zu spüren von gedrückter Stimmung oder zögerlichem Umgang, von Trauer, Distanz oder Berührungsängsten. Stattdessen spielt Musik, denn das Sterben ist in Varanasi vor allem ein Grund zu feiern. Der Tod ist hier nahbar. Nicht beängstigend, sondern natürlich. Und er ist überall um uns herum. Und auch wenn das Wort eigentlich eine andere Bedeutung hat, ist das hier eine Nahtoderfahrung im wortwörtlichsten Sinn, den ich mir vorstellen kann.

Wir können ca. 10-15 Scheiterhaufen auf dem schwarz gewordenen Boden ausmachen. Der nächste ist nur etwa 8m von uns entfernt. Immer wieder werden neue errichtet. Trotz aller Feierlichkeit ist das hier vor allem auch Massenabfertigung. Wir erfahren, dass hier täglich um die 260 Leichen verbrannt werden. Immer wieder kommen Familien, tragen einen in gelbe und orangene Tücher gewickelten Leichnam, der mit Blumengirlanden verziert ist, und bringen ihn hinunter an den Ganges. Dort wird der komplette Leichnam unter Wasser gedrückt, um ihn rein zu waschen. Anschließend warten die Familien darauf, dass ein Scheiterhaufen frei wird oder errichten einen neuen, sofern noch Platz ist. Wenn es soweit ist, werden die bunten Tücher und Blumen entfernt. Es bleibt ein weißes Tuch: Der Kafan – das letzte Kleid. Der Körper wird auf den Scheiterhaufen gelegt, zusätzlich mit Holz umrahmt und belegt, damit er gleichmäßig verbrennt. Der älteste Sohn umrundet den Scheiterhaufen 5x und zündet ihn dann in Kopfnähe an. Sägemehl dient als Brandbeschleuniger, Sandelholz als Geruchsneutralisierer. Etwa 2,5 Stunden soll es dauern, bis ein Leichnam komplett verbrannt ist.





Jemand erklärt uns, dass ca. 180kg Holz nötig sind, um einen Menschen zu verbrennen. Wer sich so viel nicht leisten kann, muss damit rechnen, dass der Leichnam nicht komplett verbrennt, und neben der Asche der Toten auch noch übrig gebliebene Körperteile im Ganges versenken. Je höher die Kaste des Verstorbenen, desto höher gelegen auch der Scheiterhaufen. Die Dalits – die „Unberührbaren“ aus der niedrigsten Kaste – dürfen überhaupt nicht hier verbrannt werden, sondern müssen an das Harishchandra Ghat ausweichen.
Frauen dürfen hier zwar verbrannt werden, aber nicht teilhaben an der Zeremonie rund um die Waschung und Verbrennung verstorbener Angehöriger. Aufgrund ihres „schwachen Geistes“ könnten sie sich sonst aus Trauer und Verzweiflung ins Feuer stürzen. Weibliche Touristinnen werden geduldet.
Die einzigen Menschen, die im Hinduismus nicht verbrannt werden dürfen, sind Babies, Schwangere, heilige Männer, Lepra-Kranke und Menschen, die an einem Schlangenbiss gestorben sind. Diese Körper werden stattdessen mit einem Stein beschwert und im Ganges versenkt.
Alles was wir sehen und hören ist so überwältigend. Da brennen überall tote Menschen. Dazwischen laufen lauter Menschen und Kühe umher. Und inmitten der Scheiterhaufen sitzt diese Frau mit den offenen, langen, schwarze Haaren und dem völlig irren Blick im Schneidersitz auf dem Boden und singt. Ob sie sich mit Drogen zugedröhnt oder in andere Sphären meditiert hat, vermag ich nicht zu sagen. Vermutlich beides. „Sie will eine Göttin werden“, erklärt jemand, als sei dies das Normalste der Welt.
Ich frage jemanden, ob es in Ordnung ist Fotos zu machen, oder das eher respektlos wäre. „Wieso respektlos? Das ist doch hier das ganze normale Leben.“ lautet die Antwort. „Bei Euch in Deutschland ist immer alles so heimlich“ schiebt er noch nach, als er fragt woher ich komme.
Auf dem Rückweg zu unserer Unterkunft fahren wir zum ersten Mal in Indien Rikscha. Weder der sehr alte Mann noch seine sehr alte Rikscha sehen so aus als würden sie die Strecke schaffen, aber der Mann besteht darauf uns zu fahren. Wir fahren im Schritttempo. Der arme Mann müht sich so sehr ab, dass ich ihm am liebsten anbieten würde mit ihm zu tauschen. Wir wären wirklich zu Fuß schneller gewesen. Und in Varanasi herrscht auch im diese Uhrzeit so ein reges Treiben – Männer, Frauen, Familien, Touristen – wimmeln durch die Straßen – dass wir uns tatsächlich bedenkenlos noch im Dunkeln allein draußen aufhalten könnten. Merken wir uns für morgen.
Als wir endlich da sind, fallen wir nur noch in die Dusche und ins Bett. Was. Ein. Tag.


Am nächsten Morgen schlafen wir aus, frühstücken gemütlich, starten ganz in Ruhe in den neuen Tag. Da unser Homestay sich quasi direkt am Ganges (in der Nähe des Assi Ghat) befindet, machen wir heute einen großen Spaziergang entlang des Flussufers und beobachten das rege Treiben am und auf dem Ganges. Zahlreiche Menschen baden und waschen sich mit dem heiligen Wasser des Flusses, tauchen sogar komplett unter. Andere waschen ihre Wäsche darin. Männer gehen meist nur in Unterhose bekleidet ins Wasser, Frauen entledigen sich der Kleidung unter ihren Saris, behalten diese aber an.










Die Rituale am Ganges unterscheiden sich – je nachdem aus welcher Region Indiens die Menschen angereist sind und zu welcher Kaste sie gehören. Manche waschen nur ihre Füße oder ihr Gesicht. Manche führen richtige Rituale durch und tauchen 10x schnell hintereinander komplett unter Wasser. Andere 100x. Dann gibt es Menschen, die nur die Hand ins Wasser tauchen und sich Wasser dann selbst mit Wasser bespritzen.



Irgendwann kommen wir an Varanasis zweitem Verbrennungsghat, dem Harishchandra Ghat vorbei – jenes, an dem auch die „Untouchables“ der untersten Kaste verbrannt werden dürfen. Tatsächlich brennen gerade drei Feuer und es stehen mehrere Familien um die Scheiterhaufen herum. Es ist ein skurilles Bild. Neben den brennenden Körpern stolpern Ziegen über die Müllberge, Menschen baden im Ganges, Verkäufer laufen an den Scheiterhaufen umher und preisen ihre Ware an. Dann sind da noch diese beiden Hunde, die sich gegenseitig ankläffen, und in all dem Gewusel spielen ein paar Kinder. Leben und Sterben in einem Bild, ganz natürlich nebeneinander her.


Wir laufen weiter. Über den Fluss schippern bunte Boote und fahren entweder die Ghats entlang den Fluss auf und ab für eine andere Perspektive gerade auf die Verbrennungsghats vom Wasser her oder sie bringen die Menschen auf die andere Uferseite, wo ein Strand aufgeschüttet ist. „Little Goa“ (Strandort an der Westküste) nennen sie ihn und wir erkennen von unserer Uferseite aus zahlreiche bunte Liegen sowie mehrere Kamele, auf denen die Touristen scheinen reiten zu können.



Da der Lassi gestern so grandios war, suchen wir noch einmal dasselbe Café auf, trinken jeder einen Fruchtlassi, teilen danach noch einen mit Schokolade. Varanasi ist eigentlich bekannt für seine Blue Lassis und es ranken sich verschiedene Mythen darum, welche Alkoholsorten untergemischt werden, aber daran wagen wir uns nicht. Ein Typ aus New York kommt aber irgendwann herein, und bestellt einen (nicht im der Karte aufgeführten) Lassi mit Marihuana und setzt sich zu uns. „Der hat mich gestern total krass umgehauen, das war der Wahnsinn“ grinst er. Der Lassi, den er schließlich bekommt, ist grün verfärbt und als er mir einen Schluck davon anbietet, lehne ich dankend ab.





Wir entscheiden uns auch eine Bootsfahrt über den Ganges entlang der einzelnen Ghats zu machen, wimmeln am Flussufer die zahlreichen Touranbieter für eine völlig überteuerte Privat Tour ab, und halten nach einem Sharing Boat Ausschau. Als wir den Preis noch um 50% runterhandeln, haben wir das Gefühl einem ganz guten Deal gemacht zu haben. Etwa 30-45 Minute fahren wir den Fluss hinauf und hinunter, genießen die lebhaften Szenen am Ganges nochmal aus einer anderen Perspektive, sehen das große Manikarnika Verbrennungsghat nochmal bei Tageslicht. Leichenteile im Fluss entdecken wir keine, obwohl wir darüber gelesen haben. Stattdessen schwimmen unzählige kleine Schalen mit Blumen und Teelichtern vorbei, die man am Ufer käuflich erwerben kann, und welche die Wünsche, Gebete und Hoffnungen der Menschen hinaus auf den heiligen Fluss tragen.













Als wir wieder anlegen, bleibe ich noch lange am Flussufer stehen und beobachte einfach dieses verrückte Treiben um mich herum, während es langsam dunkel wird. Versuche so viele Eindrücke wie möglich festzuhalten.




Dann müssen wir zurück. Sona, unsere Gastgeberin, bietet ihren Gästen cooking classes an und wir sind für 18.30 Uhr zum Samosas Machen verabredet.
Das gemeinsame Kochen macht viel Spaß! Wir bereiten zusammen den Teig für die Samosas zu, schneiden das Gemüse für die Füllung. Sona lässt uns allen Zutaten und auch Gewürze probieren, riechen, schmecken. Die Füllung wird viel zu scharf, ich muss husten, Sona lacht. Wir fügen mehr Kartoffeln und Erbsen hinzu, um das Verhältnis zu verändern, dann geht es. Sona zeigt uns wie wir die Samosas befüllen sollen und wie wir diese spezielle Form hinkriegen. Es sieht super easy aus – und gelingt mir in vielen Fällen so gar nicht. Wir lachen alle drei über meine skurrilen Formen, integrieren sie aber liebevoll in unsere Sammlung. Während des Kochens trinkt man hier übrigens keinen Wein, sondern – natürlich – Chai.
Es werden viel zu viele Samosas. Umso besser, so haben wir noch etwas für morgen!



Unser kurzer Besuch in Varanasi endet damit auch schon wieder. Zehn unglaublich intensive Tage sind wir nun durch den Norden Indiens gereist. Für uns geht es jetzt weiter nach Südindien. Kerala soll der grünste, schönste und sicherste Bundesstaat Indiens sein und nach den vielen Städtetrips freuen wir uns unendlich auf Meer und Natur, auf Erholung und die Abwesenheit von Plänen jeglicher Art! Es wird Zeit für eine Pause. Mal durchatmen. Eindrücke sacken lassen, anstatt sie ständig mit neuen zu überlagern. Den Erlebnissen, die wir hatten, die Wertschätzung geben, die ihnen zustehen. Und diese Pause nehmen wir uns jetzt.



2 Kommentare
Daniela
Wahnsinn die ganzen Eindrücke und Bilder.
Die Rituale finde ich total spannend und interessant.
Deine Berichte sind überhaupt soooo interessant.
So lerne ich Dinge über andere Kulturen, sehe noch alles auf wunderschönen Bildern und kann ein wenig in eure Erlebnisse eintauchen. Danke dafür und erholt euch nun gut!😇
Jörn
Richtig irreführend die Überschrift 😄 und völlig krasse Rituale!!!!