Startlochgestolper
„Am Ende wird alles gut.
Oscar Wilde
Und wenn es nicht gut ist, ist es nicht das Ende.“
Ich stehe in den Startlöchern.
Das ist der Satz, den ich an dieser Stelle gerne schreiben würde. Aber tatsächlich fühlt sich gerade alles viel mehr nach Straucheln als nach festem Stand an. Es sind jetzt keine zwei Wochen mehr und neben aller Vorfreude macht mir das gerade vor allem Panik. Warum wollte ich das nochmal machen!?
Im Moment ist irgendwie der Wurm drin:
Ich habe irgendeine meiner zahlreichen Reiseimpfungen nicht gut vertragen und mein gesamter Körper ist aktuell übersäht von einem fiesen Ausschlag, vor allem am Rücken, Brustkorb und Bauch. Da er nicht weh tut oder juckt, sondern nur scheiße aussieht, hatte ich ihn wieder völlig vergessen, bis ich am Wochenende mit meinem Patenkind im Schwimmbad war und im Vorbeigehen einen Blick auf mich im Bikini im Spiegel erhaschen konnte. Unangenehm.
Die innerasiatischen Flüge (und von Sri Lanka komme ich nun mal leider nicht anders weg) sind viel, viel teurer als gedacht und passen so gar nicht in meine Reisebudgetplanungen.
Und in Indien ist ein Virus ausgebrochen, der gerade zum totalen Lockdown in genau dem Bundesstaat führt, auf den ich mich wahnsinnig gefreut habe und in dem ich eigentlich die meiste Zeit verbringen wollte. Grippesymptome, Gehirnentzündungen und Koma mit einer Sterberate zwischen 40 und 75% laut WHO. Also das braucht nun wirklich niemand.
Hinzu kommt, dass mein Terminkalender aus allen Nähten platzt, da ich so viele Menschen noch treffen will, bevor ich weg bin, wodurch kaum mehr Zeit für irgendwelche Reisevorbereitungen bleibt, die eigentlich noch anstehen (und verdammt wichtig wären).
Ich pendle aktuell irgendwo zwischen Frust und Vorfreude und Nostalgie und Aufregung und Nervosität und Begeisterung hin und her und fühle mich einfach nur mit allem überfordert. Kopfschmerzen sind gerade mein neuer Dauerzustand. Vielleicht sollte ich versuchen mir weniger den Kopf zu zerbrechen.
Das Schöne ist: Nach jedem Downer passiert auch wieder etwas Gutes. Ein Kontakt in Nepal, der über eine Arbeitskollegin entstanden ist. Freundinnen, die mir für die Reise Dinge ausleihen können, die ich noch hätte besorgen müssen. Die Rechnung der Reisemedizinerin, auf die ich so lange gewartet habe und die heute endlich eingetroffen ist, sodass ich nun endlich meine gesamten Impfkostenbelege bei der Krankenkasse einreichen kann und hoffentlich den Großteil erstattet kriege. Denn heieiei, sind die Dinger teuer.
Es bleibt dieses typische Gefühl von kurz bevor es losgeht: Ein Hauch von Panik. Angst dem Ganzen nicht gewachsen zu sein. Die Frage „Was zur Hölle mache ich hier eigentlich? Gibt es irgendwo einen Notausgang!?“ Dieses Zurückschrecken vor dem eigenen (Über-)Mut, der all das überhaupt erst ins Rollen gebracht hat.
Dieses Gefühl ist mir nicht neu. Ich hatte es vor zehn Jahren, als ich nach dem Abi nach Ghana gegangen bin, und auch – in viel geringerem Ausmaß – nochmal vor meinem Langzeitpraktikum in Dublin während des Studiums.
Ich kenne dieses Gefühl, aber auch die Erfahrung, dass es sich lohnt sich von seinen eigenen Ängsten und Sorgen nicht abschrecken zu lassen, sondern mitten hinein zu springen. Der eigenen Intuition zu vertrauen, die einen ursprünglich an diesen Punkt gebracht hat.
Alles. Wird. Gut.



4 Kommentare
Hanna
Ihr lieben, ihr seid unterwegs! 😀 und Elena, heute (!!!) kam der Anhänger an :-P! Möge er dir aus der Ferne hier Glück bringen!!
Jörn
Das wird schon alles!! Ich freue mich auf unseren gemeinsamen Start auf Sri Lanka und werde dich danach auch von hier unterstützen ❤️
Tina
Selbstverständlich wird alles gut! Du bist eine erfahrene und intelligente Reisende und wirst das Kind bzw Asien rocken! 😗
Lena
Liebe Elena!
Ich fühle dich total!
Gut, dass du das machst!
Mit einem guten Soundtrack wird’s nicht schöner 🙂
Liebe Grüße von deiner Musiktherapeutin Lena!!