Aufbruch


Es ist eine gefährliche Sache, Frodo, aus Deiner Tür hinauszugehen.
Du betrittst die Straße und wenn Du nicht auf Deine Füße aufpasst, kann man nicht wissen, wohin sie Dich tragen.

J.R.R. Tolkien

Es. Geht. Los.

Ich sitze am Gate das Frankfurter Flughafens. Irgendwie surreal, dass es jetzt tatsächlich soweit sein soll. Draußen landen und starten die Flugzeuge und ich kann noch nicht so richtig fassen, dass ich Deutschland gleich für vier Monate verlassen werde. Jörn organisiert gerade noch was zu trinken und in einer halben Stunde beginnt das Boarding.

Es ist schön, den großen Rucksack los zu sein. Tatsächlich haben alle meine Sachen gut rein gepasst und er wiegt nun knapp 15kg. Ich habe gelesen, dass ein Backpack nicht schwerer als ein Viertel des Körpergewichts sein sollte. Das haut ganz gut hin, trotzdem sind 15kg auf Dauer schwerer als ich erwartet hätte. Da sich so viele ein Foto davon gewünscht haben, was ich alles mitnehme: Tada!

Die Anreise nach Frankfurt war…abenteuerlich. Jörn und ich haben uns – trotz besseren Wissens – für eine Zugfahrt mit dem öffentlichen Nahverkehr entschieden. Zur Arbeit klappt das schließlich auch immer so gut, haha. Die Verbindung sieht eine vierminütige Umstiegszeit in Siegen vor. Meine Eltern haben uns in Dortmund am Bahnhof noch mit einem persönlichen Abschied überrascht und dann ging es los – mit zehnminütiger Verspätung. Tatsächlich hat der Anschlusszug in Siegen aber auf uns gewartet. Allerdings ist er dann (ohne Vorankündigung oder Info in der App natürlich) statt nach Frankfurt nur bis Herborn gefahren. Von dort sollte es laut Zugführer dann einen Schienenersatzverkehr über Wetzlar bis nach Gießen geben, von wo aus es weiter mit dem Zug Richtung Frankfurt ginge. Nervig, aber nun gut.

Mit uns hat der Zug in Herborn einen riesigen Schwall Menschen ausgespuckt, der sich über den gesamten Vorbahnhofsplatz ergoss. Vom Schienenersatzverkehr weit und breit nichts zu sehen. Auch keine Infos oder Anzeigen – der Infoschalter im Bahnhofsgebäude seit 18.30 Uhr geschlossen (die Toiletten im Übrigen auch). Der Zug war inzwischen zurück nach Siegen gefahren, die Taxen vor dem Bahnhof hatten ihre Preise gefühlt spontan verdoppelt und verdreifacht.

Und so warteten wir. Und warteten. Und warteten. Die ersten Leute ließen sich von Bekannten abholen. Ein Großteil verblieb am Bahnhof und wartete mit uns darauf, ob noch ein Bus kommen würde. Es war inzwischen stockdunkel und ich frustriert. Ich war so voller Tatendrang lodge zogen, auf dem Weg hinaus in die große, weite Welt, und nun kam ich nicht mal bis Frankfurt. Und gerade als wir dachten schlimmer kann es nicht mehr kommen, fing es an zu regnen.

Irgendwann kam eine Nachricht meiner Mama. „Das ist eben Abenteuerlaune von Anfang an!“ Ich musste schmunzeln. Ja, so würde ich versuchen das zu sehen! Und just in dem Moment voll von neuem Motivationsschub bog der Bus um die Ecke. Etwa ein Drittel der Menschen passte rein – wir waren mit dabei! Der Zug in Gießen war natürlich weg. Netterweise nahm uns aber ein ICE kostenlos mit, sodass wir nicht noch eine halbe Stunde auf den nächsten Zug warten mussten – manchmal muss man einfach nur freundlich fragen. Um Mitternacht dann endlich in Frankfurt, geduscht und ab ins Bett. Seit drei Uhr dann wach gelegen, wegen einer Technoparty direkt nebenan. Trotz Ohropax war der Beat deutlich spürbar. Ganz kurz habe ich mich dem Gedanken gespielt einfach zu der Party zu gehen, wenn ich eh wach bin. Habe mich dann dagegen entschieden, vielleicht würde der Schlaf ja doch noch kommen…

Der Schlaf kam nicht. Um 6 Uhr sind wir dann beide völlig übernächtigt aufgestanden. Am Flughafen angekommen landete mein Deutschlandticket erstmal direkt im Mülleimer. Danke für Nichts.

Inzwischen habe ich einen Cappuccino und ein Nutellacroissant intus. Und mit der Koffein- und Schokoladenzufuhr kehren auch meine Lebensgeister zurück. Und während ich die Flugzeuge da draußen beobachte, steigt die Spannung. Dieses Kitzeln im Bauch ist zurück. Diese Begeisterung. Ich stecke so voller Vorfreude, dass ich platzen könnte! Endlich ist es soweit…

Ich melde mich wieder aus Sri Lanka 🙂

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