Letzte Tage
„You can have it all. Just not all at the same time. And there’s a freedom in accepting that.“
Betty Friedan
Verrückt.
Das hier wird mein letzter Reisebericht.
So, so, so lange habe ich auf diese Reise hingefiebert. Und jetzt geht sie zu Ende…
Die letzten beiden Wochen auf den Philippinen verbringen Jenni und ich auf Bohol, Siquijor und zuletzt Luzon. Ich bin so dankbar für diesen Inselurlaub zum Abschluss mit Strandtagen und Bootsfahrten und ganz viel „Auf’s Meer Schauen“. Dabei komme ich so sehr zur Ruhe und finde die Zeit, um all diese Erfahrungen und Eindrücke der vergangenen Monate nochmal Revue passieren zu lassen.
Nachdem wir die erste Woche auf Palawan rund um El Nido verbracht haben, geht es zunächst weiter nach Bohol. Da kurzfristige Reisepläne hier auf den Philippinen wie schon erwähnt nicht gut funktionieren, sind Flüge von Palawan nach Bohol über Tage ausgebucht. Also fliegen wir auf die Nachbarinsel Cebu, habe dort eine Zwischenübernachtung und fahren dann morgens mit der Fähre weiter.
Auf Bohol treffen wir Franzi wieder, die inzwischen auch hier auf den Philippinen ist und ebenfalls Besuch von einer Freundin hat.
Unsere Unterkunft auf Bohol liegt am Ende einer von Schlaglöchern übersähten Buckelpiste, auf der schon am ersten Abend ein Tricycle stecken bleibt und herausgeschoben werden muss. Nachts ist sie außerdem stockdunkel und da wir im Gegensatz zu unserem Traumwetter auf Palawan hier eher zwischen bewölkt und regnerisch schwanken, balancieren wir mit unseren Handytaschenlampen regelmäßig um die großen Pfützen und Wasserlöcher herum. Eigentlich wollten wir uns direkt bei unserer Unterkunft einen Roller mieten, aber da ich mir diese Straße dann doch nicht zutraue, besorgen wir uns den extern und parken nachts auch woanders.
Obwohl die Unterkunft wunderschön und modern ist mit eigener Terrasse in einem großen Garten, bringt das viele Grün und die Lage im Erdgeschoss doch auch allerlei Krabbeltiere im Zimmer mit sich. Bereits in der ersten Nacht schlängelt sich ein großer Wurm durch den Abfluss hinauf in unsere Dusche, wir fangen mitten in der Nacht in inzwischen eingespieltem Teamwork eine Kakerlake (ich sprühe sie mit Deo ein, Jenni stülpt ein Glas drüber) und als es eines abends an unserer Tür klopft, sitzt draußen ein faustgroßes Etwas, das sich bewegt und aus dem eine Spinne hervorkommt und mit Wahnsinnsgeschwindigkeit in unser Zimmer und über unseren Fußboden flitzt. Jenni erschlägt sie zielsicher mit einem Schuh. Das Etwas draußen wackelt immer noch hin und her. Erst denken wir, es ist ein Spinnennest, das heruntergefallen ist und aus dem jetzt hunderte von Spinnen schlüpfen und in unser Zimmer kommen werden. Ich schreibe der Vermieterin panisch eine Nachricht, dass wir ein großes Tier vor der Tür haben und ob sie uns helfen kann es zu entfernen (Zitat Jenni: „Ein großes Tier? Was soll das sein, ein Elefant?“). Aber dann setzt es sich in Bewegung und kriecht an unserer Tür entlang, und wir erkennen, dass es ein riesiger Einsiedlerkrebs in einer gigantischen Muschel ist. Verrückt!
Gemeinsam mit Anna und Franzi leihen wir uns zwei Roller aus und cruisen über die Insel. Es macht so viel Spaß im Sonnenschein die palmengesäumten Straßen entlangzudüsen, dazwischen immer wieder Reisfelser oder kleine Dörfer. An einem Tag machen wir einen Ausflug zu den Chocolate Hills, einer Hügellandschaft mitten im Zentrum der Insel, um deren Entstehung sich die aberwitzigsten Mythen und Legenden ranken. So richtig erklären kann sich die Entstehung dieser Formationen niemand, aber der Name rührt daher, dass die aktuell sehr grünen Hügel (noch ist das Ende der Regenzeit nicht lange her) sich in der Trockenzeit komplett braun färben und dann wie Schokolade aussehen.
Wir benötigen zwei Stunden mit den Rollern und danach tut uns ganz schön der Hintern weh. Zum Frühstück gibt es ganz klassisch Fertiggerichte und Kaffee aus dem Kühlregal vom 7 Eleven, welches wir sehr romantisch auf dem Supermarktparkplatz neben der Tankstelle verspeisen. Backpacking ist nämlich nicht jeden Tag die Smoothie Bowl am Strand. Dann geht es hinauf zum Aussichtspunkt. Anna hat eine Drohne dabei, aber leider ist es zu windig, um sie fliegen zu lassen. Macht nichts. Der Blick ist trotzdem unfassbar und wir schießen stattdessen einfach lustige Fotos mit dem Handy. Für das „Nur noch schnell ein Sprungfoto!“ auf dem Rückweg zum Parkplatz benötigen wir eine gefühlte Stunde.

Der zweite Aussichtspunkt, den wir danach ansteuern (etwa eine weitere Stunde Fahrt), ist leider geschlossen. Also machen wir uns auf den Heimweg. Vorher noch kurz volltanken. Währenddessen beginnt es zu regnen. Wir warten kurz ab. Es regnet. Und regnet. Und regnet. Vor uns liegen drei Stunden Fahrt und wir haben zwar Regencapes dabei, aber trotzdem wenig Lust auf eine Fahrt durch dieses Wetter. Letztendlich bleibt uns aber nichts anderes übrig und wir fahren los. Sind innerhalb kürzester Zeit überall pitschnass, wo das Cape nicht hinkommt. Die Sicht ist mies. Rollerfahrer ist doch scheiße.
Franzi und Anna reisen am darauffolgenden Tag weiter nach Siquijor, Jenni und ich bleiben noch eine Nacht länger. Wir wollen noch zu den Tarsieren oder auch Koboldmakis genannt – die kleinsten Primaten der Welt und neben den Chocolate Hills das zweite Highlight der Insel. Hier auf den Philippinen gibt es sie nur auf Bohol in zwei verschiedenen Sanctuaries. Wir entscheiden uns für das, welches für seine artgerechte Haltung bekannt ist. Dort laufen morgens Mitarbeitende durch den Wald und halten nach den nachtaktiven Tieren Ausschau, die sich dann in der Regel den ganzen Tag nicht mehr vom Fleck bewegen.
An dem Tag, an dem wir dort sind, wurden morgens drei Tiere enteckt. Da wir gehört haben, dass es in den Randzeiten weniger überfüllt sein soll, entscheiden wir uns das Sanctuary 45 Minuten vor Schließung zu besuchen. Wir zahlen relativ viel für den Eintritt, werden dann an dem kleinen Mini Museum mit den vielen Infotafeln vorbei gelotst, um direkt zu den Tieren zu gehen. Na gut. Lesen wir die eben später. Eine Mitarbeiterin führt uns nacheinander zu den drei Bäumen, in denen die Tarsiere sitzen. Sie sind winzig klein mit einem überproportional großen Kopf und riesigen Augen. Und einfach unfassbar niedlich.
Wir würden gerne viel länger bleiben und einfach beobachten, aber die Frau hat es sehr eilig. Sie erzählt oder erklärt nichts von sich aus, beantwortet Fragen nur knapp. Nach etwa zehn Minuten sind wir schon wieder zurück im Eingangsbereich. Das Museum ist geschlossen. „Wir würden gerne nochmal reingehen“, erkläre ich, schließlich hat das alles hier noch über eine halbe Stunde geöffnet. „Ist geschlossen“ erwidert die Frau gleichgültig wirkend, „ich habe keinen Schlüssel“. Sie zuckt mit den Achseln…und geht nach Hause. Sie geht einfach. Und wir stehen da und sind ein bisschen enttäuscht.
Ein Mann ist noch auf dem Gelände unterwegs, wir sprechen ihn an, aber er hat auch keinen Schlüssel. „Ihr müsst jetzt gehen, wie schließen“, drängt er stattdessen. Ich muss vorher nochmal schnell zur Toilette. Als ich zurückkomme, ist der Mann verschwunden. Wir steigen auf den Roller und fahren vor zur Straße, nur um dort zu erkennen, dass die Einfahrt bereits mit einer Schranke verriegelt ist. Frech! Mühsam schlängele ich mich mit dem Roller am Rand vorbei durch das Gestrüpp. Ich glaube ich bin vor allem deshalb so erschüttert über diese ganze Unfreundlichkeit, weil uns bisher auf den Philippinen ausnahmslos freundliche, fröhliche und vor allem unfassbar höfliche Menschen begegnet sind.
Ansonsten ist unsere Zeit auf Bohol geprägt von Massagen, westlicher Küche (leider bieten die Philippinen so gut wie keine lokale Küche) und schlechten Straßen. Ich optimiere meine Rollerfahrkünste, denke am Ende sogar, dass ich jetzt auch den Weg zu unserer ersten Unterkunft mit Leichtigkeit meistern würde. Wir entdecken ein Café mit Stempelkarten, bei dem es jeden fünften Kaffee (!!) gratis gibt, lernen, dass Babygeckos sich noch nicht immer so gut an der Wand oder Decke halten können, und Jenni erreicht einen Punkt, an dem sie Spinnen im Zimmer mit der bloßen Hand erschlägt.
Unseren letzten Morgen wollen wir mit einem Strandfrühstück ausklingen lassen und dann nochmal eine Runde schnorcheln gehen, bevor wir nachmittags die Fähre rüber nach Siquijor nehmen. Leider macht das Wetter uns einen Strich durch die Rechnung und überrascht uns am Strand als wir uns gerade niedergelassen haben. Also suchen wir gemeinsam mit etwa 20 Hunden Unterschlupf in einer kleinen Hütte, bis wir aufgrund der Zeit irgendwann im strömenden Regen zurückfahren müssen. Den philippinischen Sommerurlaub haben wir uns irgendwie anders vorgestellt.
Auf Siquijor kommen wir in der gleichen Unterkunft unter wie Franzi und Anna. Leider gibt es Probleme mit der Wasserpumpe. Es fließt nur spärlich bis gar nicht, an warmes Wasser ist sowieso nicht zu denken. Am ersten Abend duschen wir mit einem Eimer Wasser und einem kleine Krug. Da kommen richtige Ghana Gefühle auf!
Siquijor ist eine sehr kleine Insel und unter den Filipinos als Hexeninsel verschrieben. Jene, die nicht dort wohnen, machen tatsächlich eher einen großen Bogen um die Insel. Es gibt hier in dee Tat vieler Heiler*innen, Menschen die aus der Hand lesen oder anderweitig die Zukunft voraussagen. Irgendwie kommen wir nicht dazu, so jemandem mal einen Besuch abzustattten, obwohl ich das sehr spannend gefunden hätte.
Wir kommen aber auch anders mit den Locals in Kontakt. Bereits am ersten Abend müssen wir feststellen, dass die Restaurants hier nur bis 20 oder 21 Uhr aufhaben, die Bars schließen alle um 23 Uhr. Wohin also danach? Zu viert laufen wir durch die Straßen und halten Ausschau nach etwas, das noch geöffnet hat, bis wir auf eine Kneipe stoßen, aus der sowohl Licht als auch Musik nach draußen dringen. Beim Eintreten werden uns irgendwie merkwürdige Blicke zugeworfen, aber wir gehen ganz selbstbewusst an die Bar, bestellen Drinks und setzen uns an einen der Tische. Es dauert ein bisschen, bis uns dämmert, dass wir hier mitten in eine Familienfeier geplatzt sind! Aber die Menschen prosten uns zu, grinsen, bedeuten uns zu bleiben.
„Hört ihr auch dieses Gejaule?“, fragt Franzi irgendwann. Wir lauschen. „Es klingt als würde jemand sehr schlecht Karaoke singen“, merke ich an. Ein Mann am Nebentisch horcht auf. Das Wort hat er verstanden. „Karaoke, yes, here“, er deutet auf eine Tür. „You wanna try?“ Wir tauschen Blicke aus. Klar! Der Mann öffnet die Tür zum Nebenzimmer, wo sich uns ein sehr skurriles Bild bietet. Ein Mann schmettert lauthals und voller Enthusiasmus eine Liebesschnulze in ein Mikrofon, während auf einem großen Bildschirm der Text mitläuft. Neben der Karaoke Maschine steht ein zweiter Mann, der im Takt mitwippt. Ein Dritter schläft auf dem Sofa. Der zweite bemerkt uns zuerst. „Heeeeey“ ruft er und winkt uns in den Raum. Der Gesang bricht ab, der Sänger weckt den dritten schlafenden Mann. Wir werden freudestrahlend begrüßt, aufs Sofa verfrachtet, bekommen mehrere Mappen mit einer Songauswahl in die Hand gedrückt. „Was wollt ihr singen?“ werden wir mit leuchtenden Augen gefragt. Wir grinsen, wählen verschiedene Songs aus, singen alle sieben abwechselnd, der Rest klatscht, tanzt oder wippt zumindest im Takt. Es wird immer gejubelt, egal wer dran ist oder wie es klingt. Die Stimmung ist sehr feucht fröhlich. Die neuen Bierflaschen, die uns bereits geöffnet angereicht werden, lehnen wir dankend ab. Ein gewisses Maß an Vorsicht bleibt.
Einer verabschiedet sich irgendwann. Er müsse morgen arbeiten. „Oh, früh raus?“, frage ich. „Ja, ich beginne um 11.“ Okay. „Und wie lange musst du arbeiten?“ „Bis um 1.“ „Ach herrje. 14 Stunden?“ „Nee, zwei.“ Ich muss lachen. „Was machst du denn beruflich?“ „Ich bin Nachrichtensprecher im Radio. Ich grüße Euch morgen alle!“ (Spoiler: Wir werden das leider nicht hören können.) Irgendwann verabschieden wir uns. Was für ein witziger Abend.
Der für den nächsten Tag geplante Schnorchelausflug nach Apo Island fällt leider buchstäblich ins Wasser, was super schade für Anna ist, da es ihr letzter Tag ist. Wir haben aber natürlich einen Plan B und fahren trotz des unbeständigen Wetters zu den Cambugahay Falls, dem Wasserfall mitten auf der Insel. Wie alles hier ist es sehr touristisch, aufgrund des Wetters aber nicht besonders voll. Wir laufen an den verschiedenen Stufen entlang, über die sich der Wasserfall ergießt, gehen in den tieferen Becken schwimmen. An einer Stelle kann man sogar durch den Wasserfall schwimmen und gelangt in eine kleine dahinter liegenden Höhle.
Wo Wasser ist, da sind auch Mücken, und wo ich bin, da müssen Andere sich um Mücken keine Gedanken mehr machen. Franzi hat auf dieser Reise schon öfter lachend festgestellt, dass sie sich um Mückenschutz überhaupt nicht sorgen muss, solange ich in der Nähe bin, und es bewahrheitet sich einfach immer wieder. Schon als ich nur mit dem Oberkörper aus dem Wasser komme, schlagen Jenni und Franzi auf meinen Rücken und die Arme ein, denn die Viecher sitzen einfach sofort überall auf mir. Noch bis zu den Knien im Wasser stehend bekomme ich bereits von Jenni mein Mückenspray zugeworfen und sprühe damit wild um und auf mich. Scheiß Viecher.
Zum Abschluss schwingen wir uns noch an einem Seil über den Wasserfall und stürzen uns von oben ins Becken. Kostet natürlich extra. Macht aber trotzdem Spaß! Apropos extra kosten: Auch für die Toilette muss man hier zahlen, bekommt dann aber eine Tageskarte, die man unbegrenzt für die Toilette nutzen kann. All you can pee sozusagen.
Apo Island zu besuchen gelingt dann doch noch – nur Anna ist zu diesem Zeitpunkt dann leider schon weg. Wir fahren mit einem Jeepney (philippinisches Sammeltaxi) zum Hafen und starten von dort aus unsere Bootstour rüber in Richtung der kleinen Insel, an deren Küste zahlreiche Schildkröten im Wasser leben, die man beim Schnorcheln beobachten kann. Wir sehen unzählig viele Schildkröten und sogar eine Wasserschlange, was wahnsinnig aufregend ist. Der schönste Moment ist, als auf dem Rückweg zum Boot plötzlich eine Schildkröte direkt unter uns her schwimmt und wir einen Moment ganz mit ihr alleine haben, fernab der anderen Touris.
Abends gehen wir auf eine Strandparty mit Livemusik, auf der wahnsinnig viele Locals sind, und ich freue mich darüber, mal mit uneingeschränkter Sicht vor einer Bühne zu stehen, weil hier einfach alle kleiner sind als ich. Wir tanzen im Sand unter Palmen und es ist so ein richtig klassischer Marmeladenglasmoment, in dem man sein Glück kaum fassen kann. Zumindest solange, bis diese Party irgendwann völlig ausartet, weil die Menschen um uns herum sich alle völlig abschießen. Irgendwann kotzt eine junge Frau mitten in der Menschenmasse auf die Tanzfläche. Später trifft Jenni sie auf der Toilette wieder, wo sie mit einer klatschnassen Hose aus der Kabine kommt und Jenni darum bittet, ihr dir Hose wieder zuzubinden. Ehm. Sorry, aber nein.
Den nächsten Tag verbringen wir am Strand, müssen für unseren Schattenplatz „Miete“ an einen Mann zahlen, der hier in seiner Hängematte zu wohnen scheint. Wir sind uns fast sicher, dass das keine offizielle Gebühr ist und er sich so einfach sein Geld verdient, zahlen es aber trotzdem. Sein zahnloses Grinsen ist so nett. Ich gehe ein bisschen schnorcheln entdecke in dem hohen Seegras aber nur Seeigel, einen einzigen abgefahrenen Fisch mit super vielen Tentakeln, und eine knallrote Qualle, vor der ich schnell reißaus nehme.
Am nächsten Tag verlassen wir die Insel gemeinsam, nehmen ein Tricycle zum Hafen, passen tatsächlich zu dritt (ich hinten auf dem Motorrad) mit unseren drei Backpacks (auf dem Dach) in ein Gefährt. Wir nehmen die Fähre nach Cebu, wo Franzi und ich uns schweren Herzens endgültig verabschieden müssen. Franzi möchte aufgrund unserer Erzählungen noch nach Palawan – uns zieht es nach Donsol auf der Insel Luzon (dort liegt auch Manila). In der Zeit von Dezember bis April ist auf den Philippinen nämlich Walhai Saison und in Donsol gibt es den einzigen Eco Tourism Anbieter, der die Tiere nicht anfüttert und/oder auf ihrer Route stört. Hier fährt man einfach nur über das Meer und hält Ausschau – was natürlich das Risiko birgt, keinen Walhai zu Gesicht zu bekommen. Das nehmen wir in Kauf und so fliegen wir von Cebu nach Legazpi, lernen schon am Flughafen in Cebu Jonas und Judith kennen, mit denen wir uns den Weitertransport nach Donsol sowie ein Boot für die Tour teilen werden.
Sowohl auf dem Weg zum Flughafen in Cebu als auch vom Flughafen nach Donsol werden wir Zeuge von Verkehrsunfällen, in die auch Kinder verwickelt sind. So viele Menschen tragen hier beim Rollerfahrer keinen Helm – und ziehen dann im Zweifel immer den kürzeren. Anzuhalten, erste Hilfe zu leisten, einen Krankenwagen zu rufen ist hier im Übrigen nicht üblich, zumindest nicht als Verkehrsteilnehmer. Stattdessen fährt man weiter, will nicht in den Unfall verwickelt werden, weil das wohl häufig eine Masche sei, jemand anderem die Verantwortung für den Unfall anzuhängen.
In Donsol selbst gibt es außer dem Whale Shark Watching nichts zu tun. Walhaie sind die größten Fische der Welt und können bis zu 20m lang werden. Elf bis zwölf Meter sind der Durchschnitt. Mit einer gehörigen Portion Respekt im Gepäck besteigen wir am ersten Tag das Boot. Es gibt einen Guide, einen Kapitän und zwei Spotter, die nach den Walhaien Ausschau halten. Und wenn es dann so weit ist, geht alles ganz schnell. Auf ein „Get ready, guys!!“ hin schmeißen sich alle in ihre Flossen, setzen Taucherbrille und Schnorchel auf und setzen sich an den Rand des Bootes. Dann springt der Guide zuerst ins Wasser, alle anderen hinterher, auf ein „Look down!“ Signal hin stecken dann alle die Köpfe unter Wasser. Es ist stressig und aufregend und Adrenalin pur.
Leider haben wir auch in Donsol wieder Pech mit dem Wetter. Warum ist das hier so unbeständig? Ich habe irgendwie mit drei Woche strahlend blauem Himmel und Sonnenschein gerechnet. Stattdessen ist es bewölkt und fängt immer wieder an zu regnen. Für die Spotter macht es das schwer, die Walhaie im Wasser zu erkennen. Tatsächlich kriegen wir nur ein einziges Mal einen zu Gesicht. Er schwimmt direkt unter uns her mit diesem verrückten, gepunkteten Muster und ich sehe ihn aufgrund meiner Position nur von hinten. Andere haben mehr Glück und sind weiter vorne, wo sie ihn komplett betrachten können. Obwohl der Hai nur ruhig durchs Wasser gleitet, ist er wahnsinnig schnell. Unser Guide schätzt ihn später auf etwa 7m. Was für ein Wahnsinnsgefühl mit so einem Tier im Wasser zu sein!
Wir wiederholen die Tour am zweiten Tag und ich auch nochmal am dritten in der Hoffnung nochmal einen besseren Blick erhaschen zu können. Aber beide Tage vergehen ohne eine einzige Sichtung. Schade!
Ansonsten essen und chillen wir in Donsol einfach nur. Stellen belustigt fest, dass die Filipinos unter Süßkartoffelpommes Süße Kartoffelpommes verstehen, als wir auf unsere Sweet Potato Fries Bestellung hin Pommes mit Puderzucker bekommen.
Das hier sind unsere letzten Tage auf den Philippinen, die letzten Tage meiner Reise. Ich versuche so viel wie nur möglich aufzusaugen, einzusaugen, abzuspeichern. Am Tag vor unserem Heimflug geht es zurück nach Manila. Eine letzte Nacht. Ein letzter Käsetoast vom 7 Eleven im Bett. Ich könnte mir kein würdigeres letztes Abendessen vorstellen als das.
Und jetzt ist es soweit. Wieder einmal sitze ich am Flughafen. Diesmal aber nicht, um weiterzureisen nach Nepal, Indien oder Thailand. Dieses Mal ist es anders. Es geht zurück nach Hause…
Das war’s. Diese unglaubliche Reise, auf die ich so lange hingefiebert, hingearbeitet und gewartet habe, ist vorbei. Vier Monate sind vergangen. So eine lange Zeit. So eine kurze Zeit.
Und jetzt ist es an der Zeit wieder heimzukehren. Ich bin voller Vorfreude. Und voller Wehmut. Ich freue mich auf Jörn und meine Familie und Freund*innen. Auf meine Wohnung, meine Dusche, mein Bett. Mein Sofa! Darauf nicht mehr aus dem Rucksack zu leben. Nicht alle paar Tage wieder umzuziehen. Und gleichzeitig bin ich so traurig, dass es vorbei ist. Fühle mich ein bisschen zerrissen zwischen der Sehnsucht nach Zuhause und dieser Neugierde auf die Welt und die Menschen, die darin leben.
Ich liebe es Zuhause zu sein und ich liebe es auf Reisen zu sein. Ich mag meine Arbeit und ich würde gleichzeitig gerne ortsunabhängig arbeiten. Ich möchte gerne nah bei Familie und Freund*innen sein und ich möchte gerne durch die Weltgeschichte tingeln und neue Menschen kennenlernen. Ich mag Beständigkeit und Ungewissheit, Vertrautes und Unbekanntes, Verbindlichkeit und maximale Flexibilität und Freiheit.
Und dann denke ich, dass das Eine das Andere doch gar nicht ausschließt. Und wie schön es ist, dass ich das alles haben kann. Vielleicht nicht alles gleichzeitig. Aber das ist okay.



4 Kommentare
Wolfgang Berg
Ich entschuldige mich aufrichtig für diesen Kommentar! Aber ich teste einige Software zum Ruhm unseres Landes und ihr positives Ergebnis wird dazu beitragen, die Beziehungen Deutschlands im globalen Internet zu stärken. Ich möchte mich noch einmal aufrichtig entschuldigen und liebe Grüße 🙂
Gisela Knebel
Liebe Elena,
deinen Blog habe ich mit großem Interesse gelesen. Du hast einen tollen Schreibstil! Vielen Dank, dass du mich mit deinen ausführlichen Berichten und tollen Fotos mit auf die Reise genommen hast 😘
Liebe Grüße
Gisela Knebel
Franzi
🥹😭
Lena
Liebe Elena! Ich wünsche dir ein gutes Ankommen! Unfassbar, dass uns schon ganz bald sehen! Ich freu mich 🤗